Praktische Hinweise zum Thema Leben und Arbeiten in Norwegen

Hier finden Sie praktische Hinweise zum Thema Wohnen und Arbeiten in Norwegen.

 


  


Anerkennung von Berufsqualifikationen

 Bei der gegenseitigen Anerkennung von Berufsqualifikationen gibt es nicht immer eine einheitliche Regelung. Im Prinzip wird eine in einem EU/EWR-Staat erteilte Berufszulassung in den anderen Staaten ohne weitere Prüfungen fachlicher oder sonstiger Art anerkannt. Es gibt jedoch Ausnahmen. Zunächst einmal ist zu unterscheiden zwischen Ausbildungen, die mindestens drei Jahre dauern und solchen, die weniger als drei Jahre dauern, da für einzelne Berufe bestimmte Mindestanforderungen in Bezug auf die Ausbildungsdauer oder Praktika gelten. Dann können auch die Arbeitgeber besondere Qualifikationen verlangen, die über die Zulassungsanforderungen hinausgehen, z.B. Sprachkenntnisse oder zusätzliche Berufserfahrung. Auf jeden Fall sollten Sie sich im Zweifelsfall immer bei den zuständigen Stellen (NOKUT, Berufsverbände usw.) erkundigen, für welche Berufe eine Zulassung erforderlich ist, welche zusätzlichen Bedingungen erfüllt sein müssen usw.

In den meisten Berufen, die auch im Ausland keine höhere Ausbildung verlangen, kann man ohne eine norwegische Anerkennung der österreichischen Ausbildung arbeiten. Im Zweifelsfall kann ein Gesuch an Fagopplæringsnemda/yrkesopplæringsnemda in Ihrer Fylkeskommune in Norwegen eingereicht werden. Sämtliche Gesundheitsberufe (Pflegeberufe, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzte usw.) müssen in Norwegen anerkannt werden. Mehr darüber finden Sie auf den Internetseiten von SAK, der Zentralstelle für die Zulassung von Personal im Gesundheitswesen.

Wenn Sie in Norwegen einen Abschluss erworben haben und sich nicht sicher sind, ob Ihr Abschluss in Österreich anerkannt wird, sollten Sie sich mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen in Verbindung setzen. 


Sozialversicherung und Arbeitslosigkeit
Während Ihrer Beschäftigung in Norwegen gelten für Sie die norwegischen Sozialversicherungsbestimmungen. Alle Personen mit einer gültigen Aufenthaltgenehmigung, die in Norwegen arbeiten oder wohnen, sind automatisch Mitglied von Folketrygden, die staatliche Sozialversicherung. Lesen Sie mehr über Folketrygden hier. Der Arbeitgeber zieht Ihren Versicherungsbeitrag von Ihrem Gehalt ab. Die norwegische Sozialversicherung gibt Ihnen Anrecht auf eine Vielzahl an Sozialleistungen.

Lohnempfänger, die für einen ausländischen Staat oder eine internationale Organisation arbeiten, sind von der obligatorischen Teilnahme am norwegischen Sozialversicherungssystem befreit.

Arbeitslose Personen, die in den letzten Wochen vor Ihrer Abreise Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung in einem EU/EWR-Staat gehabt haben, können unter bestimmten Bedingungen ihre Arbeitslosenunterstützung auf Norwegen übertragen und dort ausgezahlt bekommen. Nehmen Sie mit dem österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) Kontakt auf und informieren Sie das Amt darüber, dass Sie die Absicht haben, in Norwegen nach Arbeit zu suchen. 

Wenn Sie in Norwegen beschäftigt sind, haben Sie (und in der Regel auch Ihre nächsten Familienangehörigen) die gleichen Rechte wie norwegische Bürger. Im Krankheitsfall, bei Mutterschaft und Geburt haben Sie Anrecht auf Krankengeld, bei Invalidität Anrecht auf Sozialleistungen, im Alter auf Altersrente. Weitere Auskünfte erhalten Sie bei Ihrem lokalen Sozialversicherungsamt (NAV). 


Renten
Wer in zwei oder mehreren EU-/EWR-Ländern gearbeitet hat, hat in jedem Land das Anrecht auf eine öffentliche Rente erworben. Weitere Auskünfte erhalten Sie bei Ihrem lokalen Amt der Norwegischen Arbeits– und Wohlfahrtsverwaltung (NAV), oder wenden Sie sich an das norwegische Ministerium für Gesundheit und Pflege.


Formalitäten nach der Ankunft 
Im Zusammenhang mit dem Antritt einer Arbeit sollten kurz nach der Ankunft in Norwegen mit folgenden Behörden Kontakt aufnehmen:

• Folkeregister/Skatteetaten (Meldeamt)
Dort müssen Sie eine Umzugsmeldung (flyttemelding) ausfüllen, und man stellt eine Wohnbestätigung ("bostedsbevis") aus. Nehmen Sie den Arbeitsvertrag, Ihren Pass (oder Personalausweis) und einen eventuellen Mietvertrag mit. Folkeregister/Skatteetaten in Norwegen

Beim Folkeregister/Skatteetaten beantragen Sie eine Personnummer, eine persönliche Kennziffer. Oft wird für kürzere Aufenthalte nur eine vorläufige Personnummer (D-nummer) ausgestellt.

Um ein Bankkonto zu eröffnen verlangen die meisten Banken, dass man seine Personnummer schon erhalten hat. Schon deshalb ist es wichtig, dass Sie die Formalitäten frühzeitig in die Wege leiten. Auch um ein Handy mit einer norwegischen Telefonnummer zu registrieren ist meistens die Personnummer nötig.

• Skatteetaten (Finanzamt)
Hier wird die Steuerkarte ausgestellt. Wer für einen norwegischen Arbeitsgeber arbeitet, muss auch in Norwegen die Einnahmen versteuern. Ohne Steuerkarte werden 50 % vom Lohn als Steuern abgezogen. Skatteetaten in Norwegen 

• Politi (Polizei)
Die meisten EU/EWR-Bürger müssen sich für den Aufenthalt in Norwegen bei der Polizei registrieren lassen. Lesen Sie mehr auf den Internetseiten von den norwegischen Einwanderungsbehörde, UDI. EU/EWR-Bürger benötigen keine Arbeitsbewilligung.

• NAV - Die Norwegische Arbeits– und Wohlfahrtsverwaltung
Informieren Sie sich darüber, was für Sie wichtig ist. Um Kinderbeihilfe in Norwegen zu beantragen, wird verlangt, dass Sie dokumentieren können, dass Sie von Österreich her keine Leistungen mehr bekommen. NAV


Wissenswertes über Norwegen für Arbeitssuchende
Sprache
Norwegen hat zwei Amtssprachen, die sich sehr ähnlich sind. Die am meisten verbreitete Sprache ist Bokmål. Diese hat sich aus den in den Städten gesprochenen Dialekten entwickelt und ist von der dänischen Sprache geprägt. Nynorsk, die zweite Form des Norwegischen, ist stark von den Dialekten beeinflusst, die in ländlichen Regionen gesprochen werden. Ungefähr 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen, in denen Nynorsk die Hauptsprache ist. In der Regel werden Kenntnisse der norwegischen oder einer anderen skandinavischen Sprache für eine Arbeitsaufnahme vorausgesetzt. Für Stellen in der Landwirtschaft und im Fischereiwesen sowie in einigen Bereichen der Hotel- und Gastronomiebranche sind jedoch unter Umständen gute Englischkenntnisse ausreichend. Einige Unternehmen, beispielsweise in der Erdölindustrie, haben Englisch als Unternehmenssprache eingeführt. Sie sollten sich über Möglichkeiten informieren, in Ihrem Heimatland Norwegisch zu lernen. Informationen über Sprachunterricht finden Sie auf der Webseite des Amtes für Immigration und kulturelle Vielfalt. Auf der Webseite Neu in Norwegen finden Sie Informationen zu Norwegisch-Kursen. In Norwegen erhalten Sie Informationen zu Norwegisch-Kursen in der Kommune (Gemeinde), in der Sie Ihren Wohnsitz haben. Viele Norwegische Universitäten und Privatschulen bieten ebenfalls Norwegisch-Kurse an. Mehr über Norwegisch lernen in Österreich und in Norwegen finden Sie hier


Bevölkerung, Gesellschaft und Kultur
Norwegen ist ein dünn besiedeltes Land, in dem die meisten Systeme und Infrastruktur gut organisiert und effizient sind. So sind die Fahrpläne der Bahnen, Busse und Fähren verlässlich, Flüge starten planmäßig, die Öffnungszeiten der Läden, Museen und touristischen Attraktionen entsprechen den angegebenen Uhrzeiten und öffentlich zugängliche Informationen sind in der Regel korrekt und auf dem neusten Stand. Im Vergleich zu manchen anderen europäischen Ländern hat die norwegische Geschäftskultur einen weniger formellen Charakter. Die Organisationsstrukturen sind eher flach und Vorgesetzten werden mit Vornamen angesprochen. Die norwegischen Arbeitgeber erwarten von ihren Mitarbeitern Eigeninitative und Verantwortungsgefühl für ihre Aufgaben.


Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite Neu in Norwegen.


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