Foto: Steve Haider.Foto: Steve Haider

Interview mit Harriet Müller-Tyl zur Präsentation ihrer neuen CD

Letzte Aktualisierung: 27.10.2010 // Die norwegische Jazzsängerin Harriet Müller-Tyl fuhr als 20-jährige nach Wien und Europa um einen Urlaub hier zu verbringen. Sie kam nach Hause mit einer bestandenen Aufnahmeprüfung für das Wiener Musikkonservatorium und lebt seitdem in Wien. In den letzten zwei Jahren hat sie sich dem Genre Jazz gewidmet und am 19. Oktober präsentierte sie zusammen mit ihrer Band Harriet Quartet die neue CD "Insomnia".

-       Ich hatte Glück. Ich hätte niemals gedacht, dass ich angenommen werden würde, und ich hatte keinem Menschen davon erzählt, dass ich vor hatte, eine Aufnahmeprüfung zu machen. Dann aber, zu meiner Überraschung, musste ich einen Brief nach Hause schreiben, dass mein Interrail-Ausflug noch vier Jahren dauern würde. Musical und Operette wurden schließlich zu meinen Hauptbeschäftigungen. Erst in den letzten Jahren habe ich mich mit Jazz beschäftigt.

Und davor?

-       Ja, was habe ich eigentlich gemacht? (lacht). Nach dem Studium arbeitete ich mit Musicals, vor allem in Österreich, aber auch eine Zeit lang in Deutschland. Ich sang in unterschiedlichen Bands und war mit verschiedenen kleineren Projekten beschäftigt, außerdem habe ich lange unterrichtet. Und ich habe eine zweite Band, „Herztöne“, in der wir meistens auf Wiener Dialekt, aber auch einige Lieder auf Norwegisch singen.

Harriet Quartet bei der Präsentation ihrer neuen CD Harriet Quartet bei der Präsentation ihrer neuen CD "Insomnia". Foto: Guro Sandnes
 

Wie kamst Du auf die Idee, dich dem Jazz zu widmen?

-       Ich habe vor einiger Zeit Ines Reiger, eine sehr gute österreichische Jazz-Sängerin, entdeckt. Jazz hatte ich früher weder richtig gehört noch gesungen, und ich fand sie einfach sehr gut. Außerdem stellte ich nach und nach fest, dass ich selbst mit Jazz etwas anfangen konnte – es fiel mir leicht und es ging mir gut dabei. Deshalb habe ich bei Ines im Musikkonservatorium eine zweite Ausbildung innerhalb des Genres Jazz in Angriff genommen. Sie wurde mein Mentor. Allmählich übernahm ich ihre Position im Musikkonservatorium und fing selbst an zu unterrichten. Jetzt habe ich dort ein Jahr Pause gemacht um mit eigenen Sachen zu arbeiten. Schreiben und singen. Und ich unterrichte auch Gesang in einer Musikschule.

Und jetzt singst du auch auf Norwegisch.

-       Nach 16 Jahren in Österreich war das eine interessante Entdeckung. Ich habe gemerkt, dass das Publikum einfach besser zugehört hat wenn ich ein norwegisches Volkslied gesungen habe. Anscheinend rührt es die Menschen, obwohl sie kein Wort verstehen. Man hört etwas Neues, etwas Eigenartiges. Norwegisch ist eine kleine Sprache, allerdings ist kein Dolmetscher notwendig, um die Musik zu verstehen. Ich habe den Eindruck, dass auch in Norwegen immer mehr in der Muttersprache gesungen wird. In meinem Fall liegt das Besondere wohl darin, dass ich gerade im Ausland und zwar nach 17 Jahren angefangen habe auch auf Norwegisch zu singen. Den Plattenvertrag habe ich auch wegen der norwegischen Lieder bekommen.

Wien ist ja die Musikhauptstadt Europas. Wie ist es in dieser Stadt Musikerin zu sein?

-       Man hat viele Möglichkeiten und gleichzeitig ist die Konkurrenz groß – man muss für sein Publikum und für seine Nische kämpfen. Es gibt ja eine Vielzahl verschiedener Angebote innerhalb der klassischen Musik, des Jazz und des Pop in Wien. Und es gibt sehr viele Musiker, die ihre Musik vorführen möchten.

Und wo hat Jazz seinen Platz im klassischen Wien?

-       Jazz ist in Wien sehr wichtig. Die Jazz-Szene ist groß und es gibt sehr viele Jazz Clubs. Und die Atmosphäre unter den Musikern ist sehr gut.

Auch viele norwegische Jazzartisten spielen in Wien.

-       Ja, Norwegen hat ja immer eine starke Jazz Szene gehabt und viele weltbekannte Jazz-Musiker hervorgebracht.  

Hast Du da einen Vorteil?

-       Tja. Die norwegischen Musiker haben auf jeden Fall einen guten Ruf. Viele Konzertveranstalter finden sie sympathisch.

Und ist auch bald eine Tournee in Norwegen geplant?

-       Das würden wir gerne machen. In Norwegen kennt mich als Jazz-Sängerin keiner. Dann müsste man also zuerst Kontakt aufnehmen. Aber sobald man das gemacht hat... 


Quelle: Guro.Sandnes@mfa.no   |   Anteil in Ihrem Netzwerk   |   print