Eine Mutter mit Tochter in traditioneller samischer Kleidung. . 
Foto: Berit Roald/NTB scanpix.Eine Mutter mit Tochter in traditioneller samischer Kleidung. . Foto: Berit Roald/NTB scanpix

Sámi - Die Samen, die Urbevölkerung Nordeuropas

Letzte Aktualisierung: 06.07.2015 // Die Sámi (Samen) sind ein indigenes Volk, das heute eine Minderheit in Finnland, Norwegen, Schweden und Russland darstellt. Die Sámi haben ihr eigenes historisches und kulturelles Siedlungsgebiet, ihre eigene Sprache, Kultur und Geschichte. Sie sind die einzige Bevölkerungsgruppe im Gebiet der Europäischen Union, Norwegens und der Kola-Halbinsel, die als indigenes Volk anerkannt ist.

Der Begriff »Sápmi« – Land der Sámi – wird heute als Name für das Land gebraucht, in dem die Sámi traditionell siedelten und zum großen Teil heute noch leben. Die Bezeichnung Saami oder Sámi wird heute auch international verwendet.

Die samischen Sprachen gehören zum finnougrischen Zweig der uralischen Sprachfamilie. Sie sind verwandt mit den ostseefinnischen Sprachen Finnisch und Estnisch und mit dem Ungarischen. Die UNESCO beurteilt die samischen Sprachen als gefährdet – eine der samischen Sprachen ist bereits ausgestorben.

Noch immer leben viele Sámi von der Rentierzucht, der Fischerei, der Jagd, der Landwirtschaft und der traditionellen samischen Handwerkskunst (Duodji). Viele arbeiten aber auch im privatwirtschaftlichen Bereich, in der öffentlichen Verwaltung, in Bildungs- und Forschungseinrichtungen und in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Sowohl in Norwegen als auch in Schweden und in Finnland haben die Sámi ein eigenes Parlament, das Sameting (Sámediggi). Der Samische Parlamentarische Rat (SPR) ist das Organ der parlamentarischen Zusammenarbeit der Sámi-Parlamente in Finnland, Norwegen und Schweden, in dem auch Sámi aus Russland als dauerhafte Teilnehmer vertreten sind.

Der Sámi-Rat (Sámiráđđi / Saami Council) ist eine unabhängige kulturpolitische Nichtregierungsorganisation, in der samische Organisationen aus Finnland, Norwegen, Schweden und Russland zusammenarbeiten.

Wie auch andere indigene Bevölkerungsgruppen weltweit wurden die Sámi in der Vergangenheit Opfer einer nationalen Politik der Unterdrückung und Assimilation. Die transnationale Zusammenarbeit zwischen den Sámi hat die Position ihrer Kultur, Sprache und Rechtsetzung gestärkt. Dennoch stehen die Sámi vor der Herausforderung, ihre Rechte als indigenes Volk im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne zu bewahren und zu stärken. Das ILO-Übereinkommen Nr. 169 (Übereinkommen der internationalen Arbeitsorganisation ILO über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern) wurde von zwei der nordischen Länder, Norwegen und Dänemark, ratifiziert.

Im Jahr 2005 hat eine Expertengruppe mit Regierungsvertretern aus Finnland, Norwegen und Schweden gemeinsam mit den Sámi-Parlamenten den Entwurf zu einer Nordic Saami Convention angenommen. Das Dokument sieht vor, das Recht der Sámi auf Selbstbestimmung anzuerkennen. Darin inbegriffen ist das Recht, selbst über die eigene wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu bestimmen und über die eigenen natürlichen Ressourcen frei und zum eigenen Nutzen zu verfügen. Die Regierungen
von Finnland, Norwegen und Schweden verhandeln seit 2011 über die Konvention. 2016 sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein.

Weitere Informationen über die Sámi:
www.samediggi.no
www.galdu.org
(Gáldu Resource Centre for the Rights of Indigenous Peoples)


Quelle: Königlich Norwegische Botschaft in Berlin   |   Bookmark and Share