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Datum::  09 Oktober 2009 - 07 Februar 2010
Ort:: Wien
Kategorie::  Ausstellung

"1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft" - eine Ausstellung

Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Berlin), Heiko Specht (Sammelbildnachweis).Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Berlin), Heiko Specht (Sammelbildnachweis)

Die norwegischen Künstler Lars Laumann und Hariton Pushwagner sind in der Ausstellung "1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft? Anmerkungen zum Epochenbruch" vertreten. Der Videokünstler Lars Laumann zeigt die Realsatire einer Frau, die sich in die Mauer verliebte. Der Multimediekünstler Hariton Pushwagner entwirft in seinem Soft City eine kapitalistische Zukunft der Standardisierung und Funktionalisierung des Menschen, die sich in ihrer Gleichschaltung kaum von der kommunistischen Vergangenheit unterscheidet.

Das „Annus mirabilis“ 1989 markierte einen Epochenbruch. Der Atem der Geschichte wehte durchs kollektive Bewusstsein, der frohe aber ungläubige Ausruf „Wahnsinn!“ ertönte aus aller Munde. 1989 steht für den Niedergang des Eisernen Vorhangs und die Öffnung der 1961 errichteten Berliner Mauer als seinem stärksten Symbol: Auf einer Länge von über 5000 Kilometern erstreckte sich die aus Stacheldraht, Wachtürmen, Selbstschussanlagen und Minenfeldern bestehende Grenze zwischen Ost und West, zwischen zwei Weltanschauungen, von der Ostsee bis zur Adria. 700 Kilometer des Eisernen Vorhangs führten auch entlang der Nord- und Ostgrenze Österreichs – das Land war von den Geschehnissen darum ebenfalls stark betroffen.

Mit der Wende wurde eine der längsten Grenzziehungen des 20. Jahrhunderts aufgehoben. Utopien wurden begraben, und neue, bislang ungeahnte Zukunftsszenarien taten sich auf. Auf kalte und heiße Kriege, auf einen kommunistischen Alltag der Unterdrückung und des Mangels folgte ein Zeitalter der Brüche, in dem alte Nationalismen und religiöse Fundamentalismen wiederkehrten und die gegenwärtige Finanzkrise Zweifel an der Funktionstüchtigkeit eines sozial unverantwortlichen „Raubtierkapitalismus“ nährt.

„1989“ ist Ausgangspunkt und Schlüsseljahr der Ausstellung, die aber keine sozialhistorische oder mentalitätsgeschichtliche Einordnung jener Jahre seit dem Ende der bipolaren Welt trifft, sondern den Chiffren, Metaphern, Atmosphären und Gefühlslagen nachspürt, die mit dem Verfall eines Systems und einem politischen Umbruch verbunden sind, und die in ihrer Folgewirkung bis heute ungebrochene Aktualität besitzen. Der Ausstellungstitel weist darauf hin, dass Geschichte im Gegensatz zu der These des Politikwissenschafters Francis Fukuyama, wonach im Zusammenbruch des Kommunismus und mangels Alternativen funktionierender Systeme 1989 der Endpunkt geschichtlicher Evolution erreicht war, weitergeschrieben wird.

Mit 35 künstlerischen Positionen aus 20 Nationen in Ost und West stellt die Ausstellung einen Kommentar zu einem laufenden Prozess dar, in dem wie durch ein Prisma die Facetten subjektiver Lebenswirklichkeiten dargestellt werden. Begriffe wie Bürokratie, Verrat, Überwachung, Angst, Nostalgie, Gewalt, die Wiederkehr von Religion und Nationalismen sowie Manipulation und Ironie werden mit den Mitteln der Kunst auf ihre Tauglichkeit zur gesellschaftlichen Selbstanalyse untersucht.

Wo: Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Wann: tägl. 10–19 h, Do 10–22 h.


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