Woher kommt Ihr Interesse an Musik?/ Weshalb haben Sie sich für den Gesang entschieden?
Ich wuchs in einem zu Hause auf, in dem Musik eine große Rolle spielte. Als ich 8 Jahre alt war, nahmen meine Eltern mich zu einer Vorstellung der Zauberflöte mit. Die Geschichte selbst war uns im Vorhinein erzählt worden. Als wir nach Hause kamen, sang mein Vater die Arien des Sarastro und ich kann mich daran erinnern, dass ich begeistert war. Mit 12 Jahren las ich die großen Opern und mit 15 sang ich das Papagena-Papageno Duett bei der Schulabschlussfeier. Danach nahm ich auf Anraten meines Lehrers Gesangsunterricht.
Wie erfahren Sie das Leben als Musikerin in Wien?
Ich habe in unterschiedlichen Gebieten in Österreich gelebt – in Innsbruck, Salzburg und nun schon fast 2 Jahre in Wien. Österreich und Norwegen scheinen sich nicht allzu sehr von einander zu unterscheiden – bis auf die Tatsache, dass die Geschäfte hier zur Mittagszeit geschlossen sind. Am meisten vermisse ich wohl das Meer, doch Österreich hat dafür viele schöne Seen, die aussehen, wie eisgrünes Glas.
Was das Leben als Musikerin in Wien betrifft, so fühlt man natürlich eine große Demut und bekommt Gänsehaut, wenn man durch die Straße geht, in welcher Mozart geboren wurde oder ein Konzert in Haydns Geburtshaus spielt. Es ist eine große Ehre die Orte, an denen alles begann, erleben zu dürfen. Außerdem fühle ich mich hier in Österreich sehr wohl – doch man ist auf Bekanntschaften und Kontakte angewiesen.
Ist es schwierig seinen Lebensunterhalt als Musikerin zu verdienen?
Als ich jung war, dachte ich, dass es schwierig werden würde von der Musik zu leben. Ich wollte mich lieber auf einen „vernünftigen“ Beruf im humanitären Bereich konzentrieren. Doch die Stimme ist wie ein Muskel, sie sollte benutzt werden wenn man noch jung ist. In meiner Studienzeit arbeitete ich unter anderem als Raumpflegerin, Kellnerin und in einem Laden, und ich konnte dadurch unterschiedliche Menschen im wirklichen Leben kennenlernen. Wenn ich heute daran zurückdenke, war es in vielerlei Hinsicht eine Art Sensibilisierungstraining. Es ist eine Erfahrung, von der ich auch auf der Bühne profitieren kann – denn gerade hier werden Geschichten des „wirklichen Menschen“ vermittelt und erzählt. Es gehört zur Magie der Oper, nach jenen Dingen zu suchen, die den wirklichen Menschen treffen.
Lange Zeit bevor ich nach Österreich kam, hatte ich davon gehört, dass es schwierig ist in Wien als Musiker erfolgreich zu sein. Als ich hierher zog, hatte ich jedoch das Glück sofort eine Rolle in einer großen Oper in Baden zu erhalten. Ich lernte neue Menschen kennen und traf frühere Kollegen. Kurze Zeit später erhielt ich eine neue Rolle an der Neuen Oper Wien, wo ich abermals viele Bekannte traf. Kurz gesagt waren meine Erfahrungen bisher sehr positiv und ich habe viele nette Menschen kennengelernt. Darüber hinaus bin ich von der Großzügigkeit der Menschen in Wien beeindruckt. Hier sind KollegInnen dazu bereit, zu teilen, wie etwa wenn es um Vorsingmöglichkeiten geht.
Foto: Ambassaden
Ist es Ihnen sehr wichtig, die norwegische Kultur im Ausland bekannt zu machen – wenn ja, auf welche Weise?
Am 28.Juni hielt ich erstmals in Zusammenarbeit mit der Norwegisch-Österreichischen Gesellschaft einen langen Liederabend ab. Die Hälfte des Repertoires stammte von norwegischen Komponisten (Grieg, Kvandal, Sommerfeldt u.a.). Mehrfach hörte ich, dass das Publikum die norwegische Musik als spannend und erfrischend empfand.
Welche Pläne haben Sie für die nähere Zukunft?
Gemeinsam mit Ragnhild Groven und Rolf Nykmark plane ich ein Quartett-Konzert in Wien. Wir haben auch hier an ein ähnliches Konzept wie eben erwähnt gedacht. Im ersten Teil haben wir uns überlegt, das Spanische Liederspiel von Schumann aufzuführen, während im zweiten Teil Musik von Grieg und Groven geboten wird. Für mich ist es wichtig, norwegische Musik im Ausland zu fördern. Dabei nehme ich Grieg als Kern- und Ausgangspunkt, um auch andere, weniger verbreitete Komponisten bekannt zu machen.
Was möchten Sie mit der Musik erreichen?
Mir ist es ein Anliegen, wahre Geschichten zu erzählen und etwas im Menschen zu öffnen. Musik ist die einzige Sprache, die jeder Mensch versteht, weil sie direkt von Herz zu Herz, von Seele zu Seele spricht. Musik hat eine besondere Gabe, die Menschen zu erreichen und alles andere um sich herum für eine Weile zu vergessen. Besonders schön ist es, wenn durch die Musik Gefühle wie Trauer oder Freude frei werden, die im Alltag nicht zum Ausdruck kommen können. Als Musiker ist es wichtig, mit der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und etwas im Repertoire zu finden, was die eigene Seele zum klingen bringt.